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Der Impulsgeber

Prof. Dr. Stephan Klebe verhilft Patienten mit einem Hirnschrittmacher zu neuer Lebensqualität.

Kaffee trinken, Schuhe zubinden, die Treppe runtersteigen – für viele Patienten von Prof. Dr. Stephan Klebe sind schon die alltäglichsten Dinge unmöglich. Weil der Körper nicht mitspielt, die Muskeln zittern, die Glieder versteifen. Seitdem Klebe seit 2017 die Spezialambulanz für Bewegungsstörungen leitet, finden immer mehr Patienten mit Parkinson, Tremor-Erkrankungen und Dystonien ihren Weg an die Universitätsmedizin Essen. Viele von ihnen erhoffen sich von ihrem Aufenthalt vor allem eins: mehr Lebensqualität. 

Patienten erhoffen sich durch den Hirnschrittmacher mehr Lebensqualität.

Für einen Parkinson-Patienten hat sich diese Hoffnung bereits erfüllt. Seit ein Hirnschrittmacher bestimmte Areale seines Gehirns dauerhaft stimuliert, hat der Essener seinen Tremor viel besser unter Kontrolle. Der Grund dafür liegt unsichtbar unter seiner Kopfhaut: kleine Elektroden, die seit der Operation das Gehirn mit elektrischen Impulsen stimulieren, stetig gefüttert von einem Impulsgenerator in seiner Brust. 

„Die sogenannte tiefe Hirnstimulation (THS) wurde in den 80er Jahren von Neurologen im französischen Grenoble entwickelt und hemmt bestimmte Kerngebiete des Gehirns“, erklärt Klebe, der das Therapieverfahren durch seinen Wechsel vom Universitätsklinikum Freiburg mit nach Essen gebracht hat. „Aber der Hirnschrittmacher kann die Symptome nur verringern“, betont Klebe. Aufhalten oder heilen kann er die Patienten nicht. 

Das menschliche Gehirn

Das menschliche Gehirn hat rund 86 Milliarden Nervenzellen. Bei Parkinson sterben die Neuronen in bestimmten Hirnregionen beschleunigt ab.

Bei vollem Bewusstsein

Wer sich für einen Hirnschrittmacher entscheidet, wird von den Ärzten an der Universitätsmedizin genau gecheckt, um zu prüfen, ob der Patient für das Verfahren geeignet ist, und die Risiken der Operation zu minimieren. „Damit der Hirnschrittmacher funktioniert, muss er genau an der richtigen Stelle angebracht werden. Deswegen befindet sich der Patient während der Platzierung der Elektroden bei vollem Bewusstsein – aber natürlich ohne Schmerzen zu verspüren“, erklärt Klebe.

„Der Patient ist bei vollem Bewusstsein, während die Elektroden platziert werden.“

– Prof. Dr. Stephan Klebe leitet die Spezialambulanz für Bewegungsstörungen.


„Anstrengend, aber schmerzlos“ lautet so auch das Fazit der Patienten, die seit September 2018 einen Hirnschrittmacher in der Neurochirurgie in Essen implantiert bekommen haben. Dass während der sechsstündigen Operation immer auch ein Team aus Krankengymnasten dabei ist, steife Glieder lockert und auch mal über den Rücken reibt, wenn es juckt, ist für den Leiter der Spezialambulanz für Bewegungsstörungen eine große Hilfe. 

Sobald alle Elektroden an Ort und Stelle sitzen, erhält der Patient den eigentlichen Hirnschrittmacher. Unter Vollnarkose platzieren die operierenden Kollegen der Neurochirurgie den kleinen Kasten im Brustbereich unter der Haut und legen ein Verbindungskabel zu den Elektroden. Für die ersten Hirnschrittmacher-Patienten am Universitätsklinikum Essen hat sich die aufwendige Operation und die gute Nachbetreuung gelohnt: Viele von ihnen müssen zum ersten Mal seit Jahren keine oder nur wenige Tabletten nehmen und sind relativ beschwerdefrei. Und sein Patient aus Altenessen? Der freut sich, seinen Kaffee endlich wieder zitterfrei genießen zu dürfen.


Foto: Seleneos/Photocase (o.), UME (r.)