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Frischluft fürs Blut

Jun.-Prof. Dr. Katja Ferenz forscht an künstlichen Sauerstoffträgern. Sie könnten in Zukunft Leben retten. 

Kühlschränke und Hektik könnten sich Notfall- und Transplantationsmediziner in Zukunft sparen, wenn Katja Ferenz auf das richtige Pferd gesetzt hat. Das Pferd hört auf den komplizierten Namen Perfluorcarbon, kurz PFC, und ist ein echtes Lasttier: Es kann Sauerstoff durchs menschliche Blut transportieren. 

„Früher dachte man, man könnte Blut einfach nachbauen und so irgendwann menschliche Blutspender ersetzen“, sagt Ferenz, die seit Anfang 2018 eine Juniorprofessur für Physiologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen innehat. Weil das komplexer ist als gedacht, fokussierte sich die Forschung auf eine der wichtigsten Funktionen des Bluts: den Sauerstofftransport. „Genauer gesagt machen das die roten Blutkörperchen, das Hämoglobin“, erklärt die  35-Jährige. Wäre es nicht möglich, zumindest diese Transporter nachzubauen? Das PFC, an dem ihre Arbeitsgruppe seit Jahren forscht, ist einer der Kandidaten für diesen Job. 

Längeres Haltbarkeitsdatum 

Gebraucht würden künstliche Sauerstoffträger vor allem an drei Fronten: bei Notfallpatienten, die viel Blut verloren haben und während der Fahrt in die Klinik stabilisiert werden müssen. „Im Normalfall haben Rettungswagen keinen Kühlschrank mit Blutkonserven dabei“, sagt Ferenz. Ein künstlicher Sauerstoffträger, der ohne Kühlung auskommt und für alle Blutgruppen kompatibel ist, wäre hier eine große Hilfe. 

Ebenso wie bei der Organtransplantation. Stirbt ein potenzieller Spender zu Hause und wird erst spät in die Klinik gebracht, fallen seine Organe als Transplantat meist aus: Zu lange waren sie mit Sauerstoff unterversorgt. „Mit einem künstlichen Sauerstoffträger könnte man so ein Organ wieder in einen Zustand bringen, in dem es verpflanzt werden könnte“, sagt Ferenz. Im Tierlabor ist Ferenz’ Team dies bereits geglückt: „Wir haben bei Ratten 95 Prozent des Blutes gegen unsere Sauerstoffträger ausgetauscht und konnten ihr Überleben verlängern.“ 

Aktuelle Forschungsergebnisse

Aktuelle Forschungsergebnisse der Unimedizin Essen veröffentlichen wir hier.

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Auch die Zeit für den Transport könnte sich verlängern, wenn der Stoffwechsel der Spenderorgane mit Sauerstoffträgern aufrechterhalten wird. „Unsere Hoffnung ist, dass man so künftig deutlich mehr Patienten Spenderorgane zur Verfügung stellen kann“, sagt die Forscherin. 

Noch liegen solche Szenarien in der Zukunft – aber in Sichtweite. „Ich könnte mir vorstellen, dass in den nächsten Jahren auch in Europa ein künstlicher Sauerstoffträger auf den Markt kommt. In anderen Ländern wie Mexiko oder Russland sind bereits Präparate verfügbar“, sagt Ferenz. „PFC haben gegenüber anderen Stoffen den Vorteil, dass man sie auch noch zur Behandlung der Taucherkrankheit und Rauchvergiftung einsetzen kann.“ 

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie zumindest setzt auf das Pferd PFC: Es fördert das Projekt von Ferenz’ Arbeitsgruppe seit März und für die nächsten drei Jahre. 


Foto: UME, ustas7777777/Shutterstock.com