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Mein Leben mit... Diabetes

Seitdem das Universitätsklinikum Marco Miterskis Therapie umgestellt hat, kann er trotz Typ-3-Diabetes wieder seinen Alltag meistern

Es fühlt sich an wie ein starker Hexenschuss. Als er die Schmerzen einfach nicht mehr aushält, ruft seine Frau einen Krankenwagen. An die beiden folgenden Wochen, die er im September 2017 unter starken Schmerzmitteln durchlebt, erinnert sich Marco Miterski nur ungern. Grund ist eine bestimmte Angst: 1990 verstarb sein Vater an Bauchspeicheldrüsenkrebs – und auch seine Leidensgeschichte begann damals mit diesen unerklärlichen Rückenschmerzen. Seine Beschwerden entpuppen sich schließlich als Bauchspeicheldrüsenentzündung. Die Erkrankung war bereits weit fortgeschritten, das Organ begann, sich selbst zu verdauen. Über 20 Kilogramm verliert der kräftige Fotograf, aber er überlebt. Zurück bleibt ihm ein Diabetes in der seltenen Ausprägung 3-c. Miterski hängt plötzlich an der Nadel. Sein Hausarzt verordnet ihm eine konventionelle Therapie. Das heißt, nach dem Aufstehen Blutzucker messen und morgens und abends spritzen, das Standardprogramm mit Kurz- und Langzeitinsulin, dazwischen nichts.

Marco Miterski hat sich für die intensivierte Insulintherapie entschieden.

„Ich war immer ein Genießer und habe dann auch nach der Diagnose wieder fast so weitergegessen wie bisher“, erzählt Miterski. Dass er es sich damit vielleicht etwas zu leicht machen könnte, spürt er schon bald. Zu schwankend sind seine Blutzuckerwerte, was sich massiv auf seinen Alltag auswirkt. Miterski arbeitet als Fotograf in Düsseldorf. Ein stressiger Job, der volle Konzentration und Fitness erfordert. Und besonders gute Augen. „Für einen Fotografen ist scharfes Sehen das Wichtigste. Als das aber immer schlechter wurde, wusste ich, dass ich dringend etwas ändern muss.“ Im April 2019 bekommt er einen letzten Schuss vor den Bug: Während des Familienurlaubs auf Mallorca schnellt der Blutzucker so weit nach oben, dass sein Messgerät den Wert nicht mehr anzeigen kann. Jetzt erst weiß er, was auf dem Spiel steht.

Diabetes-Beratung erforderlich?

Die Klinik für Endokrinologie des Universitätsklinikums berät auch bei seltenen Formen der Diabetes.

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Musterpatient statt Laisser-faire

Miterski wendet sich an die Klinik für Endokrinologie am Universitätsklinikum Essen und stellt seine Therapie mithilfe von Esther Ruta um. Die Diabetesberaterin empfiehlt dem Mülheimer die Umstellung auf eine intensive Insulintherapie. Vor jeder Mahlzeit muss er sich nun die Menge Insulin spritzen, die er tatsächlich benötigt. Ein Messgerät am Oberarm sendet ihm seine Werte direkt aufs Smartphone. Der Mehraufwand lohnt sich. Schnell bessert sich sein Zustand, weil Miterski die neue Therapie sehr ernst nimmt. Er liest viel über Diabetes und tauscht sich über soziale Netzwerke mit anderen Erkrankten aus. „Marco Miterski ist sicherlich ein Musterbeispiel. Er hält sich an unsere Vorgaben und hat den Ehrgeiz, wieder die Kontrolle über sein Leben zurückzugewinnen“, sagt Ruta. Es gebe nicht wenige, die ihren Blutzucker nicht regelmäßig kontrollierten oder einfach ins Blaue hineinspritzten, berichtet Ruta auch von ganz anderen Patienten. Nicht so Miterski: „Ich habe akzeptiert, dass ich nun Diabetiker mit allen Konsequenzen bin. Es war schwierig, das anzunehmen, aber das bin ich nicht nur mir, sondern auch meiner Familie schuldig.“ Seine fünfjährige Tochter Elsa glücklich aufwachsen zu sehen, dieser Wunsch sei sein großer Ansporn. Nur eine kleine Sünde gestattet sich Miterski. „Einmal wöchentlich treffe ich mich mit meinem besten Freund nach der Arbeit zum Burger essen mit Chili-Cheese-Reis.“ Dass er vorher an Ort und Stelle sein Shirt hochzieht und sich Insulin spritzt, daran habe man sich in ihrem Stammlokal gewöhnt. „Ich schäme mich nicht für meine Krankheit. Sie ist jetzt ein Teil von mir.“


Foto: Jan Ladwig