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Helfer im Hintergrund

Ärzte und Pflegekräfte sind im Krankenhausalltag unersetzlich. Aber auch Menschen wie Naziha Chehbar, Christian Pillich und Marc Bleck sind wichtig, damit die Patientenversorgung der Universitätsmedizin Essen gewährleistet werden kann.

Die Schiebetüren in der Eingangshalle öffnen sich im Sekundentakt. Ärzte mit fliegenden Kitteln ei len durch die Halle am Haupteingang des Universitätsklinikums und passieren Patienten, die gemeinsam mit ihren Angehörigen auf die nächste Behandlung warten. Naziha Chehbar beobachtet das Treiben aus dem unscheinbaren Glaskasten heraus, in dem die Information der Hauptpforte untergebracht ist. Nichts entgeht ihr. Weder das ältere Paar, das mit unsicheren Schritten die Treppe Richtung Ausgang hinaufsteigt, noch das hitzige Gespräch einer Patientin mit ihrem Freund in einer der Sitzecken. „Die meisten Leute denken, dass wir an der Information nur damit beschäftigt sind, Patienten und Angehörigen Auskunft zu geben, aber natürlich achten wir auch auf die Sicherheit“, erklärt Chehbar, die ursprünglich als Mitarbeiterin eines externen Wachdiensts an den Campus kam.

 

Naziha Chehbar ist häufig die erste Ansprechpartnerin für Patienten und Besucher.

Naziha Chehbar ist eine von mehr als 1.100 Mitarbeitern am Universitätsklinikum Essen, die nicht im medizinischen Bereich arbeiten und für den Alltag in den Kliniken doch unersetzlich sind. Denn damit die rund 4.700 Ärzte, Ärztinnen und anderen medizinisch Tätigen am Campus ihren Job machen können, muss vorher viel passieren. Patienten müssen an die richtigen Kliniken verwiesen werden, das OP-Besteck muss gereinigt und die Kittel gewaschen werden, die Stromversorgung gesichert sein und die Parkhäuser gemanagt.

Und natürlich muss ein Krankenhaus sicher sein. Die Maßnahmen zur Deeskalation, die Chehbar als Fachfrau für Sicherheit und Bewachung einst gelernt hat, helfen ihr heute als Mitarbeiterin am Empfang der Hauptpforte immer wieder. Denn viele Menschen, die mit einer Frage an das kleine Fenster vor Chehbars Arbeitsplatz treten, befinden sich im Ausnahmezustand. „Wenn Ihr Ehemann gerade mit Herzinfarkt eingeliefert wurde und Sie zu ihm wollen, sind Sie mit dem Kopf natürlich ganz woanders. Da kann es vorkommen, dass man sich in der Aufregung im Ton vergreift“, sagt Chehbar. Diesen Menschen geduldig und ruhig entgegenzutreten, ist für die gebürtige Marokkanerin selbstverständlich.

"Viele Patienten schildern uns ihre Symptome, um zu erfragen, in welche Klinik sie am besten gehen sollen."

- Naziha Chehbar

Starker Kontrast

Knapp sieben Kilometer Luftlinie südlich vom Campus an der Hufelandstraße ist Christian Pillich im Einsatz für die Universitätsmedizin. Der Elektroinstallateur sorgt zusammen mit seinen Kollegen am Standort St. Josef Krankenhaus Werden dafür, dass Ärzte auch dann weiteroperieren können, wenn im OP Teile des Stromnetzes ausfallen. „Zum Glück passiert das eher selten“, sagt Pillich. „Die meiste Zeit müssen wir eher kleinere Reparaturen vornehmen und uns um die Störungsbehebung und Instandhaltung der technischen Anlagen kümmern.“ Pillich ist in Haan geboren, seit 2008 arbeitet er in Werden. Seine kleine Werkstatt, gleich links neben dem Haupteingang, steht im starken Kontrast zur klinischen Umgebung der Krankenhausflure. Allerlei Werkzeug hängt an den grob verputzten Wänden, auf einer langen Werkbank steht ein defekter Wasserkocher. Der muss aber warten: Denn nach einer kurzen Besprechung mit seinen Teamkollegen startet Pillich erst mal seine tägliche Inspektion des Technikstützpunkts. Der unscheinbare Flachbau hinter der Klinik ist einer der elektrischen Mittelpunkte des St. Josef Krankenhauses Werden. Hier, gut versteckt hinter zwei schweren Eisentüren, verbirgt sich die Schaltzentrale, die die OP-Säle mit Strom, Lüftung und Heizung versorgt. Pillich wirft einen prüfenden Blick über die blinkenden Armaturen. Tritt eine Störung auf, müssen er und seine Kollegen schnell handeln. „Als Elektroinstallateur im Krankenhaus sollte man definitiv kein Problem damit haben, unter Druck zu arbeiten“, sagt der 47-Jährige. Im Zweifel gehe es auch in seinem Job um Leben und Tod.

Christian Pillich war auch schon selber Patient am St. Josef Krankenhaus.

Eine Erfahrung, die auch Naziha Chehbar bereits gemacht hat. „Einmal ist mir ein Mann in der Eingangshalle aufgefallen, aus dessen Tasche ein Messer hervorschaute.“ Damals habe sie direkt die Polizei gerufen. Als die Beamten und der Wachdienst eintrafen, stellte sich heraus, dass der Mann sogar noch mehr Waffen dabeihatte. Aber das sind Extremfälle. Die meiste Zeit verbringe sie mit ganz harmlosen Patienten, meint Chehbar und wendet sich einem Mann zu, der mit Kind auf dem Arm auf die Information zueilt. „Hallo, eine Frage. Meine Tochter hat sich die Fingerkuppe abgeschnitten. Wo müssen wir hin?“ Schnell und routiniert zeichnet Chehbar ihm den Weg zur Zentralen Notaufnahme Süd auf. Anschließend kündigt sie den Mann und seine Tochter dort telefonisch an. „So etwas kommt sehr häufig vor. Viele Patienten schildern uns ihre Symptome, um zu erfragen, in welche Klinik sie am besten gehen sollen.“ Vor Kurzem habe sie etwa eine Patientin mit einer hoch ansteckenden Krankheit angesprochen. „Ich habe die Patientin umgehend mit Mundschutz ausgestattet und die Ambulanz verständigt“, sagt Chehbar, die sich in ihrer Zeit am Universitätsklinikum viel medizinisches Know-how angeeignet hat.

Mark Bleck verantwortet rund 1.550 Stellplätze

am Campus des Universitätsklinikums Essen. Von seinem Arbeitsplatz an der Hauptpforte lassen sich jeden Tag rund 2.000 Ein- und Ausfahrten beobachten.

Kein Vergnügungspark

Ein paar Meter entfernt von ihr sitzt Marc Bleck in seinem Pförtnerhäuschen und ist damit beschäftigt, den täglichen Wahnsinn auf den Parkflächen des Universitätsklinikums zu managen. Während der operative Leiter Parkhausservice einer Mitarbeiterin ein neues Monatsticket fürs Parkhaus ausstellt, beobachtet er aus dem Augenwinkel den Stau auf der Zufahrtsstraße. „Das Parkhaus an der Hufelandstraße ist noch ganz neu und schon zu 100 Prozent ausgelastet“, erzählt Bleck, der dafür zuständig ist, Krankenwagen auf den Campus zu lassen und dafür zu sorgen, dass alle Schranken im Notfall funktionieren. Außerdem ist er oft Helfer in der Not: Weil Patienten und Angehörige im Kopf mit anderen Dingen als Parken beschäftigt sind, finden viele später ihr Auto nicht mehr. „Da beim Suchen zu unterstützen, versteht sich für uns von selbst“, meint Bleck, der auch mal fünfe gerade sein lässt. „Wenn eine Frau, deren Ehemann gerade im Krankenhaus verstorben ist, ihr Auto aus dem Parkhaus holen möchte und nicht genug Geld dabeihat, helfen wir natürlich.“ Manchmal bestellt er für Patienten auch ein Taxi oder wechselt Geld fürs Parkhaus. „Viele wollen aber auch einfach nur ein bisschen quatschen.“

Marc Bleck hilft Patienten auch schon mal bei der Suche nach dem Auto.

Eine Tatsache, die auch Christian Pillich im St. Josef Krankenhaus Werden nur zu gut kennt. „Ohne die Patienten würde ich meine Arbeit in den Krankenzimmern wesentlich schneller erledigt bekommen“, meint der Elektroinstallateur mit einem Schmunzeln. Trotzdem: Für den langjährigen Mitarbeiter der Universitätsmedizin Essen gehört es einfach dazu, sich nicht nur um funktionierende Raum- und Sicherheitsbeleuchtung zu kümmern – sondern auch darum, dass die Patienten das Krankenhaus mit einem guten Gefühl verlassen. „Egal, ob Mediziner, Pfleger oder eben Haustechniker“, meint Pillich, „wir alle spielen für die Patientenzufriedenheit eine wichtige Rolle.“

Vergünstigte Parktickets

An der Autopforte des Universitätsklinikums können Patienten und Besucher verbilligte Tickets, z. B. ein Wochenticket, erwerben. Das kostengünstige Monatsticket muss telefonisch unter 0201 723 2617 vorbestellt werden.


Text: Julia Jansen
Fotos: Jan Ladwig